Über Geld spricht man nicht? Sie sollten es tun! Und zwar über das eigene. Ob beim Bewerbungsgespräch, im Mitarbeitergespräch oder wenn sich Ihre Aufgaben verändert haben – der richtige Moment für eine Lohnverhandlung kommt früher oder später. Viele warten zu lang oder drücken sich ganz davor. Dabei ist es ein wichtiger Teil Ihrer beruflichen Entwicklung, über den eigenen Wert zu sprechen. Gut verspricht ein Lohngespräch, erfolgreich zu sein.
Vorbereitung zahlt sich aus
Wer mit konkreten Vorstellungen und stichhaltigen Argumenten ins Gespräch geht, hat deutlich bessere Karten. Recherchieren Sie im Vorfeld, was in Ihrer Branche und Position üblich ist. Am besten informieren Sie sich auf mehreren Portalen und mit Blick auf Standort, Firmengrösse und Berufserfahrung. Wichtig ist auch, dass Sie Ihre eigenen Leistungen gut einordnen können: Haben Sie zusätzliche Verantwortung übernommen? Projekte erfolgreich abgeschlossen? Neue Kompetenzen aufgebaut? All das stärkt Ihre Verhandlungsposition und zeigt, dass Ihr Wunsch nicht aus der Luft gegriffen ist.
Sinnvoll ist es auch, sich eine persönliche Lohnspanne zu überlegen. Der untere Wert ist das absolute Minimum, mit dem Sie leben könnten, der obere Wert das Wunschziel. So bleiben Sie im Gespräch flexibel und können souverän auf Gegenangebote reagieren, ohne sich unter Wert zu verkaufen.

Der richtige Zeitpunkt für das Lohngespräch
Ein beliebter Fehler: auf den perfekten Moment warten. Und den gibt es selten. Aber es gibt bessere und schlechtere Zeitpunkte. Gut geeignet ist zum Beispiel das jährliche Mitarbeitergespräch, nach erfolgreich abgeschlossenen Projekten oder wenn Ihre Rolle sich merklich verändert hat. Auch der Wechsel in eine neue Position innerhalb des Unternehmens ist ein sinnvoller Anlass. Weniger geeignet sind Phasen, in denen das Unternehmen gerade mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpft oder wenn personelle Umstrukturierungen anstehen. Achten Sie darauf, dass Ihr Anliegen Gehör finden kann und nicht zwischen Tür und Angel verpufft.

So bringen Sie Ihre Argumente auf den Punkt
Ein Lohnwunsch allein reicht nicht: Sie brauchen Argumente, die ihn untermauern. Bleiben Sie dabei sachlich und fokussiert. Es geht nicht um persönliche Lebensumstände, sondern um Ihren Wert für das Unternehmen. Heben Sie Ihre konkreten Leistungen hervor, idealerweise mit messbaren Ergebnissen. „Ich habe die Projektlaufzeit um 20 Prozent verkürzt“ oder „Ich habe die Verantwortung für zwei neue Kunden übernommen“ wirkt deutlich stärker als ein allgemeines „Ich finde, ich verdiene mehr“. Vermeiden Sie auch Sätze wie „Ich brauche das Geld“ oder „Ich habe gehört, Kollege XY verdient mehr“. Das rückt Sie in eine schwache Verhandlungsposition. Ihr Ziel ist, professionell und leistungsbezogen aufzutreten – nicht fordernd oder emotional.

Und wenn es um den Stundenlohn geht?
Gerade bei befristeten Arbeitsverträgen, Projektstellen oder Nebenjobs ist der Stundenlohn die entscheidende Grösse. Hier ist es besonders wichtig, zwischen befristeten und unbefristeten Arbeitsverhältnissen zu unterscheiden. Bei unbefristeten Stellen liegt oft ein Monatslohn zugrunde, der auf einen Stundenlohn umgerechnet werden kann. Dabei sollten auch Ferienanspruch, Feiertage und Sozialabgaben berücksichtigt werden, denn sie beeinflussen den effektiven Verdienst.
Bei befristeten Jobs – zum Beispiel bei temporären Anstellungen oder Freelancer-Einsätzen – ist der Stundenlohn meist das Hauptkriterium. Achten Sie hier unbedingt darauf, ob der Lohn brutto oder netto angegeben ist und ob Zuschläge (wie Ferienentschädigung oder Nachtarbeit) inkludiert sind. Auch Ihre Verfügbarkeit, Spezialisierung oder Flexibilität kann den Stundensatz nach oben treiben. Bringen Sie das im Gespräch ruhig zur Sprache und verhandeln Sie selbstbewusst, gerade weil befristete Einsätze oft kurzfristig und anspruchsvoll sind.

Was tun, wenn Ihr Wunsch abgelehnt wird?
Nicht immer endet eine Lohnverhandlung mit einem klaren „Ja“. Manchmal gibt es ein „Noch nicht“ oder ein „Im Moment schwierig“. Wichtig ist, dass Sie ruhig bleiben und nachfragen: Wann wäre ein besserer Zeitpunkt? Was müsste passieren, damit eine Anpassung möglich wird? Zeigen Sie, dass Sie bereit sind, in Ihre Rolle weiter hineinzuwachsen, und bitten Sie darum – zum Beispiel in einem halben Jahr – erneut über Ihren Verdienst zu verhandeln.
Falls ein finanzieller Spielraum gerade nicht da ist, können Sie auch über alternative Benefits sprechen, etwa zusätzliche Ferientage, Weiterbildungsmöglichkeiten oder flexible Arbeitszeiten. Nicht alles lässt sich in Franken messen, aber vieles steigert Ihre Zufriedenheit.
Fazit: Eine Lohnverhandlung ist kein Machtspiel, sondern ein Gespräch auf Augenhöhe. Sie haben etwas zu bieten und dürfen das auch vertreten. Wichtig ist, dass Sie vorbereitet sind, realistische Ziele haben und Ihre Argumente professionell darlegen. Ob Monatsgehalt oder Stundenlohn: Entscheidend ist, dass Sie wissen, was Ihre Arbeit wert ist und das auch kommunizieren können.
Denken Sie daran: Nicht der, der am lautesten fordert, bekommt den besten Lohn, sondern der, der mit Klarheit und Haltung auftritt.







